Rückblick der JuLe auf ein besonderes Jahr

Noch zu Anfang des Jahres saßen wir, das JuLe-Team, zusammen und planten voller Tatendrang das kommende Jahr. So viele Ideen und Anregungen hatten wir in unseren Köpfen.
Wann halten wir unsere Stammtische ab? Welche Veranstaltungen wollen wir machen? Welche aktuellen Themen wollen wir aufnehmen? Welche Referenten hätten wir dafür? Gehen wir auf die Inkusiva 2020 nach Mainz? Machen wir einen gemeinsamen Ausflug? Da wussten wir noch nicht, dass alles ganz anders kommen sollte.

Es kam CORONA, COVID 19, die PANDEMIE und die LOCKDOWNS.

Und damit kamen ganz andere Dinge, die existentiell wurden, den Blickwinkel und die Prioritäten neu und ganz anders setzten.

Abstand, Hygiene, Alltagsmasken, Schließungen der Kitas, Schulen, Tagespflege-, und der Behinderteneinrichtungen. Keine Kontakte, keine Besuche, keine Betreuung für die zu pflegenden Angehörigen und somit auch keine Entlastung.

Eine absolut noch nie dagewesene Situation und eine wahnsinnige Herausforderung für die häusliche Pflege und Betreuung. Und wer dachte zu Beginn, dass wir darüber auch noch am Ende des Jahres reden werden?

Viele unserer Stammtischmitglieder und wir, die ja selbst auch häuslich pflegen, berichten „von wachsender Unsicherheit und Angst und einer rapiden zusätzlichen Mehrbelastung – auch weil Unterstützung von Pflegediensten, Freunden oder Hausärzten, teilweise bis ganz weggebrochen ist. Dass in den ganzen medienwirksamen Debatten nur Senioren, aber keine behinderten Menschen erwähnt werden. Dass sie sich mit niemandem austauschen können und dass sie keiner hört. Dass sie am Ende ihrer Belastbarkeit stehen und auch sie „Sofort-Hilfe“ bräuchten …“

Die Pandemie hat die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege für uns enorm schwieriger gemacht. Sie ist auch für uns pflegende Angehörige „ein Schlag in die Magengrube“.

Denn: nicht jeder kann sich beruflich eine Auszeit leisten. Nicht jeder kann im Homeoffice arbeiten, Kinder beschulen und Co-Therapeut sein. Nicht jeder kann sich zeitgleich um sein krankes, behindertes Kind und pflegebedürftige Angehörige kümmern. Nicht jeder hält das auf Dauer aus!

Da die Unterstützungsstrukturen für Betreuung, Verhinderungs- und Kurzzeitpflege nun wegfielen, können die Pflegenden auch die finanzielle Unterstützung bei den Pflegekassen hierfür nicht abrufen. Somit leisten sie auch hier mehr Betreuung und Pflege, ohne finanzielle Unterstützung.

Für die pflegenden Hände in der häuslichen Pflege wird nicht geklatscht. Es läuten auch keine Glocken am Abend, auch bekommen sie keine Corona-Sonderprämie. Nicht, dass wir es dem öffentlichen Pflegepersonal nicht gönnen. Im Gegenteil – es ist noch viel zu wenig. Doch auch die Menschen, die 70% aller Pflegebedürftigen daheim pflegen, hätten auch Aufmerksamkeit und Anerkennung verdient.

Aber was uns 2020 auch gelehrt hat: Wir stehen uns näher, trotz Abstand und sind dankbar darüber , gesund sein zu dürfen.

In diesem Sinne: Durchhalten, bis auf irgendwann,
damit dann das „normale Leben“ wiederbeginnen kann.

 

Euer JuLe-Team